Entwicklungsland D – Entwicklungsland Deutschland

1. Zur Geschichte der Ausstellung:

Vor der Jahrtausendwende befassten sich Institutionen, Kirchen, Politik und NGOs mit den Auswirkungen der Globalisierung auf unsere Gesellschaft. Ausschlaggebend waren die Beschlüsse der Rio-Konferenz 1992. Konsens bestand darüber, dass sich die Produktions- und Konsummuster der Industriegesellschaften ändern müssen. In Studien und Diskussionsprozessen wurden die dazu in Deutschland notwendigen Strukturanpassungen entwickelt.

1997 beschäftigte sich die Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt Landesnetzwerke e.V. (AGL) in einer programmatischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ansätzen zur Reform der Entwicklungspolitik in Deutschland. Im Verständnis der AGL kann Entwicklungspolitik nur dann als Strukturpolitik angesehen werden bzw. in der Umsetzung greifen und zu Resultaten führen, wenn die Situation im eigenen Land als ebenfalls entwicklungsbedürftig mit einbezogen wird.

1998 hat das Landesnetzwerk in Nordrhein-Westfalen die Ausstellung "Entwicklungsland D" entworfen und in Zusammenarbeit mit einer Agentur realisieren lassen. Schon der Titel der Ausstellung macht auf eine Paradoxie aufmerksam: Entwicklungsländer, das sind eben heute nicht mehr nur die Länder der sog. Dritten Welt, sondern in zunehmendem Maße die reichen Länder des Nordens mit ihren weder ökologisch noch sozial zukunftsfähigen Lebens- und Produktionsweisen.

1999 griff die AGL das Konzept der Ausstellung auf, um ihr eine bundesweite Verbreitung zu sichern.

Seit 2001 ist "Entwicklungsland D" Schwerpunkt in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Eine Welt Netzwerks Bayern e.V..

Trotz weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die gegenseitigen Abhängigkeiten, trotz Veränderungen und Anstrengungen der letzten Jahre ist der Handlungsbedarf für die Probleme, die die Ausstellung thematisiert, heute dringender denn je.

2. Die Themen der Ausstellung

Die Themen der Ausstellung "Entwicklungsland D" greifen aktuelle Probleme und Ereignisse auf; die zuzuordnenden Objekte variieren deshalb entsprechend:

Station 1: Grillabend - Frau Lhosa (Ecuador)

"Für den nächsten Grillabend hab ich mir eine Packung Filetspitzen eingefroren..."
Thema:
Ernährung, Agrarpolitik, Ökologischer Landbau, Gentechnik; Produktion und Markt
Objektbeispiele:
Futtersäcke (m.Zeitungen füllen) Bienenwabe (Bienensterben); oder Milchflasche (je nach Aktualität) Produkte mit Gütesiegel

Station 2: Jil Sander-Kostüm - Frau Jathotu (Laos)

"Das JilSander-Kostüm war ja schon zwei Jahre alt ..."
Thema:
Textilproduktion und Altkleider
Objektbeispiele:
Altkleider (keine Säcke kommerzieller Sammler; stattdessen: Säcke von Organisationen mit Fairwertungssiegel (z.B. Aktion Hoffnung)

Station 3: Broker - Herr Fitzek (Deutschland)

"Mein Broker meint, ich soll die Aktien jetzt umschichten."
Thema:
Armut - Reichtum
Objektbeispiele:
Schmuck und aufwändige Kleidung; alte Mütze /Blechbüchse mit Geldstücken

Station 4: Zweitwagen - Herr Kabui (Neu-Guinea)

"Wir haben jetzt einen Zweitwagen ..."
Thema:
Energie, Klima
Objektbeispiele:
alte Autoteile (Reifen, Felgen) Solar- oder PV-Modul (Muster) Glühbirnen / Energiesparlampen, Zeitschaltuhren

Station 5: Vorproduzieren - Herr Singh (Indien)

"Vorproduzieren lass ich meine Sachen in Deutschland..."
Thema:
Globalisierung, Sozial- und Umweltstandards; Arbeitsplätze
Objektbeispiele:
alte Schutzhelme Gegenstände, die auf aktuelle Arbeitsplatzbedrohungen hinweisen, z.B. Handys ...

Station 6: Mikrowelle - Frau Kombo (Tanzania)

"Die alte Mikrowelle hab ich zum Sperrmüll gestellt..."
Thema:
Müll, Wegwerfgesellschaft
Objektbeispiele:
Geräte und Verpackungsmüll (möglichst alltagsnah) Elektronikschrott, Unterlagen der regionalen Wertstoffstellen;

Station 7: Wasser - Frau Yonli Bassole (Burkina Faso)

"Jetzt noch den Rasen sprengen..."
Thema:
Wasser
Objektbeispiele:
alte Schläuche, Eimer, Armaturen, Kanister, Pumpen….

Station 8: Frauen - Frau Daw Khin Nu (Myanmar)

"In meiner beruflichen Spitzenposition brauche ich die Konzentration auf das Wesentliche..."
Thema:
Frauen sind "kein Sachthema", sie sind in allen Lebensbereichen mit betroffen und können und sollen nicht auf bestimmte Rollen (Objekte) eingegrenzt werden.
deshalb: beim Thema Frauen keine Objekte dazulegen und das Plakat gesondert platzieren
Vorschlag: Informationsmaterialien zur Situation der Frauen auslegen, z.B. "Die Frauenkiste", wie Frauen leben und arbeiten – Herausgeber: Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart oder vergleichbares

Weitere Links


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Tel.: 089 / 350 40 796
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